Arbeiten als Tourguide fürs Saharacamp vom BMW GS Club in Marokko


 

 

 

 

 
Das Telefon klingelte. Hallo? Es war mein Freund Gérard. Ob ich mal eben Zeit hätte, 6 Wochen als Tourguide für den BMW GS Club in Marokko zu arbeiten? Morgen ginge es los. Klar! Für sowas bin ich immer zu haben.
 
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Flink packte ich meine Sachen. Zelt, Schlafsack und Kamera etc. Am nächsten Tag ging es bei Schnee mit dem Motorrad nach München.
 
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In München tauschte ich mein Motorrad gegen einen langen VW Crafter voll mit Material, das ich nach Marokko bringen sollte.
 
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Unterwegs sammelte ich Mohamed in Frankreich ein. Mohamed ist Marokkaner und sollte uns mit seinen arabischen Sprachkenntnissen beim Zoll etc helfen.
 
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Leider bliebt unterwegs keine Zeit, die schöne Gegend durch die wie fuhren zu geniessen.
 

Da die Zeit drängte, fuhren wir mehr oder weniger ohne Pause durch und wechselten uns beim fahren ab.
 
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Das war harte Arbeit, aber dafür waren wir ja da.
 
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Frankreich langte bei der Maut ordentlich zu. Dagegen ist die Vignette in der Schweiz ein Geschenk.
 
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Auch die Autobahnen in Spanien waren nicht billig. Schliesslich setzten wir für 130 Euro für den LKW und uns mit der Fähre nach Tangar über.
 
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Die Autobahnen in Marokko kosten ebenfals eine Maut. Viel gefährlicher sind jedoch die zahlreichen Polizisten, die überall versteckt mit Laserpistolen auf Touristen lauern.
 
Schon nach einer Woche erreichte ich die Stadt Guelmim, in deren Nähe 2015 das Saharacamp vom BMW GS Club statt fand.
 
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Gleichzeitig mit den ersten Teilnehmern rollten wir auf den Hof der Hotelanlage Fort Bou Jerif GPS N29°04'93" W010°19'87" (Camping mit Frühstück und warmem Abendessen 25 Euro pro Nacht. Hotelzimmer Halbpension 55 Euro).
 
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Zeitlich liegt Marokko eine Stunde hinter Deutschland. In Marokko wird arabisch und französisch gesprochen. Für 5 Euro kann man von Maroc Telecom Simkarten kaufen und für weitere 5 Euro 4 GB Internet für einen Monat.
 
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Schnell wurden die Motorräder entladen, Pavilions aufgebaut, T-Shirts für den Verkauf vorbereitet und die Haftungsverzichtserklärungen und Anmeldebögen bereit gelegt. All dies fiel in meinen Aufgabenbereich.
 
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Dann ging es schon los. Mit einer originalen Rallye Dakar Motorrad der Firma Touratech aus dem Jahr 2002 auf Basis der Einzylinder F650 GS erkundigte ich die Gegend und bereitete zahlreiche Touren in verschiedenen Schwierigkeitsgraden vor.
 
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Immerhin besteht die hohe Kunst eines Tourguides darin, sowohl Anfänger mit Asphalttouren als auch Profis mit kniffeligen offroad Touren zufrieden zu stellen.
 
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Hierfür bietet Marokko selbst abseits der üblichen Touristenmagneten wie Todra Schlucht oder Merzouga ideale Bedingungen.
 
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Vom Fort Bou Jerif aus kann man beispielsweise am Samstag zum Kamelmarkt (Dromedarmarkt) starten. Dieser findet wöchentlich von 8 bis 10 Uhr statt.
 
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Anschliessend führt einen eine schöne, kurvige Asphaltstrasse nach Sidi Ifni, wo am Wochenende ebenfalls ein bunter Markt statt findet.
 
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In Sidi Ifni kann man ausserdem wunderbar einen Kaffee trinken oder mit Blick aufs Meer zu Mittag essen.
 
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Von dort aus geht es am Ende der ca 100 km langen Ausfahrt mit einer kleinen Flussdurchfahrt zurück zum Camp.
 
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Echte Endurofahrer wählen für die Rückfahrt von Guelmim zum Camp die sogenannte Bunker Tour.
 
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Für diese biegt man in die Ortschaft vor der eigentlichen Einfahrt nach Bou Jerif ab und folgt der Strasse, bis diese durch einen Erdrutsch gesperrt ist.
 
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50 Meter vor dem Erdrutsch biegt man links in einen Feldweg ab.
 
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Der Feldweg verliert sich schon nach einem Kilometer. Gleichzeitig kann man rechts am Berg einen schmalen Weg erkennen.
 
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Nun versucht man quer Feld ein, diesen Pfad zu erreichen, ohne sich dabei die Reifen an den zahlreichen Kakteen platt zu fahren.
 
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Anschliessend geht es den Berg hinauf.
 
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Der Pfad ist durch starke Regenfälle extrem ausgewaschen das heisst, das lose Material wie Sand und Erde wurde weg gespühlt.
 
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Man holpert also über grosse Steine immer weiter hinauf, bis auch dieser Pfad an einer Schafwiese aufhört.
 
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Nun geht es Luftlinie geradeaus, bis man ein Gemäuer sieht, das nach einem Bunker mit Schiessscharten aussieht.
 
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Hier gehen die Meinungen auseinander. Der einzig Mutige, der diese Tour bisher mit mir gefahren ist meinte, dass es sich hierbei um eine einfache Schaftränke handelt ;)
 
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Hinter dem Bunker links führt ein kaum sichtbarer Pfad wieder den Berg hinab.
 
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Immer wieder müssen bieten schmale, recht tiefe aber ausgetrocknete Bachbetten eine Herausforderung an den Fahrer.
 
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Auch dieser Pfad verschwindet irgendwann auf einer Schafwiese zwischen lauter Kakteen im nichts.
 
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Nun fährt man auf 2 Uhr Luftlinie geradeus, bis man die zerfallene Rouine eines alten Hauses erreicht.
 
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Ab hier führt einen der Weg nach links zurück zum Camp.
 
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Deutlich einfacher ist die sogenannte "Fische Tour".
 
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Die hat ihren Namen von den kleinen localen Fisch Restaurants am Strand und bietet ca 50 km offroad Fahrspass für Anfänger.
 
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Vom Camp aus fährt man vor "Der Flussdurchfahrt" links in die Berge und folgt der recht guten Strasse mehr oder weniger in Richtung Meer.
 
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Hin und wieder können die Teilnehmer dieser Tour (siehe Video) ihr Fahrkönnen an ausgewaschenen und daher recht holprigen Strassenabschnitten trainieren.
 
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Am kleinen Dorf biegt man links ab und erreicht wenige Kilometer weiter auf dem Hochplatou eine mit Natursteinen eingezäunte Fläche.
 
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Hier fährt man rechts herum um die komplette Anlage herum und folgte dem Weg hinab an den Strand.
 
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Auf Grund seiner Steigung ist die Strasse hier sehr ausgewaschen und holperig.
 
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Das ist jedoch nicht der einzige Grund, hier langsam zu fahren.
 
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Da die Strecke auch in Geländewagenforen als Insidertipp gillt, kommen einem hier gelegentlich bis zu 20 hochgerüstete Geländewagen entgegen.
 
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Nach diesem kniffeligen Teilstück erreicht man die Asphaltstrasse nach Sidi Ifsi, fährt auf ihr über einen Fluss und verlässt sie direkt danach wieder.
 
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Man biegt nach links ab. Einen Kilometer weiter erreicht man ein kleines Dorf mit zahlreichen Restaurants und eine tollen Strand,
 
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an dem man sein Fahrkönnen weiter trainieren und tolle Fotos schiessen kann.
 
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Tolle Fotos kann man auch schiessen, wenn man der Strasse von Guelmim Richtung Bou Jerif bis zu ihrem Ende folgt, ohne vorher zum Fort ab zu biegen.
 
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Die Strasse endet am weissen Strand Plage Blanche. Hier findet man neben zahlreichen Wohnmobilen auch echte Sanddünen, in denen man sich wunderbar austoben und eingraben kann.
 
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Wichtig: ABS und Traktionskontrolle vorher abschalten!!! Viel Spass :-)
 
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Mit diesen sehr unterschiedlichen Strecken gelang es mir, alle Teilnehmer glücklich zu machen, obwohl deren Fahrkönnen von Profi bis nicht vorhanden reichte.
 
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Es gab Leute, die ihre BMW R 1200 GS ohne meine Hilfe nicht einmal auf einer geraden, zweispurigen Asphaltstrasse wenden konnten und bei denen ich mich frage, woher sie ihren Führerschein haben.
 
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Andere Leute dagegen konnte ich erst mit der anspruchsvollen Bunkertour ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubern.
 
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Leider gab es wärend der Veranstaltung jedoch auch Missgeschicke. Per Handy erreichte mich die Nachricht, dass es auf einer anderen Tour zu einem leichten Auffahrunfall gekommen ist.
 
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Ich machte mich sofort mit dem Transporter auf den Weg, um die beschädigten Motorräder noch vor dem Abendessen ab zu holen.

 
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Damit begannen die Probleme jedoch erst. Irgendwie hatte die Polizei von dem kleinen Missgeschick Wind bekommen, hat
 
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die Reisepässe der am Unfall beteiligten Personen kassiert und war damit verschwunden.
 
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Nun mussten wir also erst zur nächsten Polizeibehörde fahren.
 
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Hier langweilten sich die Beamten und schienen es voll auskosten zu wollen, dass wir ihnen gezwungener Massen etwas Abwechslung boten.
 
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Von überall her erschienen Autos mit mehr oder weniger wichtigen Beamten, die alle irgendwie mitreden wollten.
 
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Aus kaputten Schreibtischen wurden verstaubte Formulare gekramt und anschliessend beraten, wie man sie wohl aus zu füllen habe.
 
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Da niemand so richtig wusste was zu tun war, dauerte die gesamte Prozedur gute 10 Stunden.
 
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Formulare fragten nach dem Namen der Grossmutter und mussten oben und unten unterschrieben werden und es gab Streit, wer nun eigentlich unsere Pässe und die grünen Versicherungskarten hat.
 
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Niemand interessierte sich für die Bremsspuren auf der Strasse oder die beschädigten Motorräder. Es ging nur um Bürokratie.
 
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Weit nach Mitternacht durften wir endlich heim fahren. Unsere Reisepässe behielt man jedoch trotzdem. Hier kommt man nur mit Schmiergeld weiter. Solche Leute wolle ich aber nicht auch noch unterstützen.
 
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Im Prinzip unterscheidet sich die Polizei hier wie in den meisten Ländern nicht von Dieben. Sie produziert nichts und schafft keine Werte, sondern nimmt Leuten unter einem Vorwand etwas weg. Im Gegensatz zu Dieben ist die Polizei höchstens besser bewaffnet.
 
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Am nächsten Tag ging der Tanz weiter, bis man schliesslich einsah, dass bei uns nix zu holen war und wir endlich unsere Pässe zurück erhielten. Touristen werden normalerweise an den zahlreichen Kontrollpunkten durch gewunken. Einheimische Fahrer müssen auch hier zahlen.
 
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Peter, einer unserer Teilnehmer, wurde mit harmlosen 50 km/h statt erlaubten 20 km/h gelasert. Statt die Strafe von 700 Dirham zu bezahlen, steckte er 200 Dirham (20 Euro) ans Polizeimotorrad und durfte weiter fahren. Ein Hoch auf die Korruption.
Nach all dem Stress hatten wir uns zur Entspannung eine Tour zu den heissen Quellen kurz hinter Guelmim redlich verdient GPS: N28°55.234 W009°50.668.
 
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Am nächsten Morgen stand ich recht zeitig auf und machten mich mit 20 Leuten auf den Weg zum Kamelmarkt in Guelmim.
 
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Dieser findet jeden Samstag Morgen statt und ist recht einfach zu finden, wenn man von Bou Jerif kommend am Kreisverkehr rechts und nach der Afrikania Tankstelle erneut rechts abbiegt.
 
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Auf dem riesigen Markt werden neben von Touristen als Kamele bezeichnete Dromedare auch Kühe, schafe, Ziegen, Lebensmittel und Alltagsgegenstände verkauft.
 
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Der Transport der Tiere erfolgt entweder mit zusammen gebundenen Beinen auf offener Ladefläche einer Kutsche oder ganz einfach im Kofferraum eines Autos.
 
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Es ging sehr bunt und lebhaft zu und die zivilen Menschen waren uns Touristen gegenüber immer sehr freundlich.
 
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Trotzdem sagten viele Teilnehmer nach dem Anschlag in Tunesien aus Angst ihre Reise zu uns nach Marokko ab.
 
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Für die Anwesenden gab es dafür ein kleines Bonbon. Von KTM waren extra Mitarbeiter angereist und hatten leichte EXC so wie Adventure Motorräder zum kostenlosen probefahren mitgebracht.
 
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Statt langweiligen Asphalt hatten sich die KTM Jungs für die Probefahrt eine suuuper Strecke ausgesucht:
 
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Auf Schotter ging es zum Plage Blanche. Hier durften wir in den Sanddünen spielen undbuchstäblich erfahren, was mit den leichten 350, 450 und 500er EXCs alles möglich ist.
 
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Auch die 1190 Adventure und Super Adenture lassen sich im Sand fahren, wie die Vorführung eines professionellen Rallye Fahrers bewies.
 
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Ich selber grub mich beim Versuch, es ihm nach zu machen, hoffnungslos im weichen, verspuhrten Sand ein.
 
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Anschliessend fuhren wir alle zusammen hinab ans Meer und weiter am Strand entland. Da gerade Ebbe war, war der Sand hier relativ leicht zu befahren.
 
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Das Ziel und der Höhepunkt der Tour war ein versunkenes Schifswrack einige Kilometer weiter.
 
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Vom fahren im Sand erhitzt, konnten wir uns hier im Meer abkühlen, bevor wir die Motorräder tauschten und die gleiche Strecke zurück fuhren.
 
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An dieser Stelle nochmal ein grosses DANKE an die KTM Jungs für ihren Einsatz!!! Die Tour hat wirklich viel Spass gemacht.
 
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Mit der KTM 1190 Adventure kam ich auf Anhieb gut zurecht. V2 Motor, Sitzposition, Gewicht und Handling ist erstaunlicherweise genau wie bei meiner Transalp.
 
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Das 25 Jahre weiter entwickelte Motorrad ist jedoch mit 150 PS drei mal so stark wie die alte Honda, hat viel bessere Bremsen, eine leichtgängige hydraulische Kupplung so wie einen 6. Spritspargang.
 
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Es ist damit sowohl für lange Urlaubsreisen geeignet, als auch für recht anspruchsvolle Offroadfahrten. Perfekt, wenn es nicht 15.000 Euro kosten würde.
 
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Ein paar Probleme kündigten sich für die Heimreise an, als Mohamed eine Woche mit dem Transporter verschwand und ihn anschliessend nicht mehr wie geplant heim fahren wollte.
 
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Hier besteht das nicht unerhebliche Risiko, dass während der Abwesenheit möglicherweise Drogen im Fahrzeug versteckt wurden. Aus diesem Grund liessen wir das Auto beim Polizeirevier von einem Drogenhund untersuchen. Das ging jedoch fast schief. Statt uns zu helfen, wurden wir selber wie Kriminelle behandelt. Sofort kassierte man unsere Pässe und meine Kamera, als ich Beweisfotos der Aktion machen wollte.
 
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Anschliessend wollte man unbedingt den meinen Speicherchip behalten oder zerstören. Es brauchte viel Geduld und Hartnäckigkeit den Polizisten davon zu überzeugen, dass wir keine Drogenschmuggler waren sondern zum ersten und letzten Mal Hilfe bei der Polizei gesucht hatten. Meine Kamera brauche ich für die Zeit in Marokko jedoch noch.
 
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Immer wieder reisten neue Leute an. Die meisten hatten ihr Motorrad per Spedition nach Malaga geschickt und waren selber runter geflogen. Sie freuten sich über eine Tour zum Kamelmarkt oder zur heissen Quelle. Hier mitten in der Steinwüste können 4 Personen gleichzeitig entspannen und das Leben geniessen. Wärend in einem Schwimmbad in islamischen Ländern Frauen nicht in das gleiche Becken wie Männer dürfen, konnten wir in der abgelegenen heissen Quelle gemeinsam baden. Immerhin waren auch Frauen zum Saharacamp angereist. Eine von ihnen hatte sogar Sandbleche für ihr Motorrad mitgebracht.
 
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Für die anwesenden Frauen wurden uns auf dem Kamelmarkt bis zu 60 Kamele geboten. Kein schlechter Preis wenn man bedenkt, dass eine marokkanische Frau gerade einmal 10 Kamele kostet. 10 Kamele werden einem zB auch für eine 20.000 Euro teure BMW R 1200 GS LC mit Touratech Extras oder meine 700 Euro Honda Transalp geboten. Ein grosses Motorrad ist eben ein grosses Motorrad und eine europäische Frau ist eine europäische Frau. Da wird nichtmal das Gebiss geprüft ;-)
 
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Touristen werden auf dem Kamelmarkt gerne für dumm verkauft und bekommen für kleine Souveniers meist den 10 fachen Preis genannt. Dann muss verhandelt werden. Ein Mann, der uns unbedingt etwas verkaufen wollte, erzählte in recht gutem Englisch, er sei zum ersten Mal hier und sei extra für diesen Markt aus Mauretanien angereist, wir seien seine ersten Kunden und es würde Unglück bringen, wenn der erste Kunde nichts kauft. Lustig war aber, dass wir ihn beim Abendessen auch auf den Fotos von letzter Woche entdeckten...
 
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"Ich weiss wo der Wal liegt!" Mit diesen Worten zieht man auch als Europäher im Camp sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit und Bewunderung aller Anwesenden auf sich. Das Gerücht, dass irgendwo am Strand ein toter Wal liegt, hatte schon jeder gehört. Niemand wusste jedoch genau wo er liegt. Die einen vermuteten ihn in der Nähe von Agadir, andere Leute 100 km südlich von Sidi Ifni. Nun gab es also endlich jemand, der ihn gesehen hat und die genaue GPS Position kannte. Ob er sie mir kurz aufschreiben könnte? Später. Mit ausschweifenden Worten beschriebe er, dass der Wal am Qued Noun liegt. Mein kurzer Einwand dass ich wärend der Fische Tour bereits mit einer 15 Mann grossen Gruppe dort war aber keinen Wal gesehen habe, wurde schnell beiseite gewischt. Wie konnten so viele Leute nur einen Wal zu übersehen? Er werde uns morgen selber hin führen.
 
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Vom Qued Noun bei Fum Assaka aus folgten wir einer schönen Piste 30 km offroad entlang der Küste bis Plage Blanche. Dort angekommen hatten wir immer noch keinen Wal gesehen. Er fragten einen Fischer. Dieser erklärte uns, wir müssten 10 km zurück fahren. Dieses taten wir bei Ebbe am Strand entlang. Beim Militärposten fuhren wir wieder die Steilküste hinauf.
Nachdem ich pantomimisch toter Wal vorgespielt hatte, wiess uns erneut ein freundlicher Fischer lachend den Weg und da lag er wirklich: der legendäre tote Wal GPS N29°03'12.4" W010°29'01.2".
 
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Anschliessend lud er Christoph und mich zu sich und seinen Kumpels in eine kleine Hütte ein und reichte uns traditionellen Pfefferminztee aus dreckigen Gläsern, die vermutlich noch nie gewaschen worden waren und daher ein ideler Wirt für hier verbreitete Hepatitis oder Tuberkulose sind. Sich selber genemigte er wie selbstverständlich eine Pfeife Kif (Haschisch). Ob wir auch eine wollen? Ich lehnte beides dankend ab.
 
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Angeblich sollte ausserdem 40km südlich vom Plage Blanche ein schönes Walskelett am Strand liegen. Man könne dort problemlos am Strand entlang hin und dann hinauf nach Tafni Dilt fahren und auf Asphalt zurück kehren. Fasziniert lauschten die Anwesenden der blumigen Beschreibung.
 
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Am nächsten Tag machte Christoph und ich uns auf den Weg. Bei Ebbe brausten wir mit 100 Sachen den Strand entlang. Leider blockierte nach 30 km eine 50 Meter hohe grosse Felswand den Weg. Als wir unsere Geschwindigkeit verringerten, blieben wir prompt im leichten, weichen Muschelsand stecken. Hier gab es weder ein Skelett noch eine Möglichkeit, weiter zu fahren. Alles nur Legenden. Statt dessen fanden wir zwei Schiff Wracks GPS N28°56'24.9" W010°39'25.8" und N28°50'12.0" W010°52'10.9".
Die Rückfahrt dauerte 3 Stunden. 2 davon verbrachten wir damit, die Motorräder immer wieder um zu kippen und aus zu buddeln. Wir konnten auf dem losen Zeug einfach nicht genügend Geschwindigkeit aufbauen. Bei langsamer Fahrt graben sich die Motorräder jedoch immer wieder hoffnungslos ein, statt für Vortrieb zu sorgen. Langsam kam die Flut näher und umspühlte unsere Motorräder. Mit letzter Kraft erreichten wir am Nachmittag unser Camp.
 
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Dort waren inzwischen zwei Neue angekommen. Sie hatten vom BMW GS Treffen gehört und sich um daran teil nehmen zu können mal eben eine Woche vorher zwei nagelneue BMW R1200 GS LC gekauft. Um noch besser für die Wüste gerüstet zu sein, hatten sie ihre Motorräder mit allem ausgestattet, was Touratech zu bieten hatte. Die beiden hatten sogar zwei verschiedene Arten von Hämern dabei. Als ob es hier nicht genug Steine gibt. Bisher hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt offroad zu fahren und waren gleich am ersten Tag ganz heiss darauf, Sand zu fahren.
 
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Da ich leider keine Zeit hatte sondern neue Teilnehmer vom Flughafen in Agadir abholen musste, machten sich die beiden alleine auf den Weg zum Plage Blanche. Was der Tourguide mit seiner leichten Rallye Maschine, Jahre langen Erfahrung und Stollenreifen nicht schafft, muss doch mit einer doppelt so schweren LC mit Strassenreifen für Anfänger zu schaffen sein. Das Ergebnis war, dass die beiden um 20 Uhr nicht zum Abendessen erschienen. Statt dessen rief die Polizei an. Man habe Motorradfahrer am Strand feststeckend gesichtet. Als ich um 22 Uhr aus Agadir zurück gekehrt war, machte ich mich sofort bei absoluter Dunkelheit auf den Weg, unsere zwei Helden zu suchen. Da inzwischen die Flut voll da war und einen in den Weichsand zwang, kam ich jedoch nicht weit.
 
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Am Morgen stand ich vor der Herausforderung einerseits eine Rettungsaktion zu starten als auch eine Ausfahrt mit 10 wartenden Leuten machen zu müssen. Kurzerhand wurde die Rettungsaktion zu eine Tour zu einem Schiffswrack umbenannt und los ging es mit der gesammten Gruppe an den Strand. Nach 10 Metern Weichsand viel die erste Maschine aus. Die BMW R 1200GS LC hatte mit nichtmal 10.000 km auf dem Tacho plötzlich keinen Antrieb mehr. Es tat sich nichts am Hinterrad, egal welchen Gang man einlegte. Nicht wirklich verwunderlich wenn bedenkt, wie mieserabel BMW bei den Langzeittests der Zeitschriften abschneidet 1, 2, 3.
 
Die anderen Teilnehmer kamen auch nicht viel weiter, bevor auch sie sich im Sand eingruben und lieber wieder umkehren wollten. So machte ich mich dann doch alleine auf die erneute Suche nach den Vermissten. Der Boden war extrem weich und ich musste die 20 km vollgas fahren. Ich wusste dass wenn meine Geschwindigkeit unter 60 km/h fallen würde, ich hoffnungslos stecken bleiben und von der Flut eingeholt werden würde. Dann wäre das Motorrad verloren. Laut Polizei sollten sich die beiden Motorradfahrer in der Nähe vom Camp der Rallye Argan Trophy festgefahren haben.
 
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Dort angekommen fuhr ich die Steilküste hinauf, holperte oben entlang und suchte den Strand ab. Mit einem Mal fühlte ich, wie heisse Kühlflüssigkeit in meine Sicherheitsschuhe lief. Ein Schlauch war durch einen grossen Stein beschädigt worden. Ich liess die Maschine stehen und schleppte das Trinkwasser für die Verdurstenden zu Fuss weiter bis mir ein Fischer erzählte, er habe den beiden bereits am Tag zuvor dabei geholfen ihre Motorräder wieder flott zu bekommen. Dann seien sie zurück gefahren.
Ich machte mich also wieder auf den Rückweg. Als ich nach einigen Kilometern Fussmarsch wieder Handyempfang hatte erfuhr ich, dass die beiden vor Stolz prahlend zurück im Camp seien. Bereits am Abend zuvor seien sie in die Stadt gefahren um ihre Motorräder waschen zu lassen. Dort haben sie dann ein Hotelzimmer genommen weil ihnen ihr Zelt hier zu unbequem war und es nicht für nötig gehalten uns darüber zu informieren, dass sie nicht zurück kommen werden. Die Mühe meiner beiden Rettungsaktionen war also umsonst gewesen. Kein Sorry, kein Danke. Nichts.
Bei lecker Tee mit den Fischern wartete ich den Rückgang der Flut ab, reparierte den Kühlflüssigkeitsschlauch, füllte Kühlwasser auf und düste bei Ebbe ebenfalls wieder heim, um das defekte Motorrad im Transporter zu BMW nach Casablanka zu fahren. Kurz vor meiner Abreise teilte ein Rückruf von BMW mit, dass die benötigten Teile erst in Deutschland bestellt werden müssten. Dieses würde mindestens eine Woche dauern. Damit unser Teilnehmer wärend seinem kurzen Urlaub wenigstens etwas Motorrad fahren kann klaperte ich einige Motorradwerkstätten ab und organisierte eine hier übliche 125er für 10 Euro Miete pro Tag. Die Mietquads waren mit 30 Euro pro Stunde zu teuer.




 
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